Inhalt

Das Leben ist paradox. Ein kleiner Tippfehler mag genügen und ein Bewerber bekommt eine Stelle nicht. Verortet er aber eine Milliarde Menschen auf dem falschen Kontinent, dann fällt das wahrscheinlich nicht einmal auf. Denn der Recruiter, der den Tippfehler bemerkt, weiß es selbst nicht besser.
Eine solche Fehleinschätzung wie die der Verteilung von sieben Milliarden Menschen auf dem Erdball (die richtige Antwort lautet übrigens 1 Amerika, 1 Europa, 1 Afrika, 4 Asien) ist so verbreitet, dass es kaum jemandem auffällt. Die Mehrheit der Menschen – in Wirklichkeit muss man attestieren alle – sieht die Welt zumindest partiell nicht so wie sie ist. Das ist die zentrale Botschaft von Hans Roslings inspirierendem Buch „Factfulness. Wie wir lernen die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.“
Menschen werden die Welt nicht durchgehend so sehen, wie sie realiter ist. Das aber überwiegend zu tun, das ist lernbar, wie der Untertitel des Buches betont. Wie ist dies in Zeiten von Fake News, von weit verbreiteten Verfälschungen möglich, der Realität nahe zu kommen? Die Antwort lautet: Durch das Bewusstsein, dass wir uns leicht täuschen können, dass wir leicht getäuscht werden, wenn wir einfach das übernehmen, was uns präsentiert wird.
Hans Rosling liefert eindrucksvolle Beispiele: Sehr präsent ist die Vorstellung, dass die Welt sich in einem kontinuierlichen Prozess der Degradation, der Veränderung hin zum Schlechten befindet. Das geht einem leicht über die Lippen, doch es stimmt für viele Bereiche nicht. Kindersterblichkeit? Dramatisch zurückgegangen! Um 1800 starb nahezu die Hälfte (44 %) aller Kinder vor Erreichen des 5. Lebensjahrs, 2016 waren es noch 4 von Einhundert. Hunger? 1970 betrug der Anteil unterernährter Menschen an der Weltbevölkerung 28 %, 2015 waren es 11 %. Kinderarbeit, also das Vollzeit Arbeiten von Minderjährigen zwischen 5 und 14 Jahren, betraf 1950 mehr als ein Viertel aller Kinder weltweit, 2012 nur noch jedes Zehnte. Oder noch eine Zahl, diesmal für den Automobilbereich: 1986 wurde in 193 Ländern mit verbleitem Benzin gefahren, 2017 nur noch in dreien.
Diese Liste könnte mit sehr vielen weiteren Fakten weiter fortgeführt werden. Dem Autor geht es nicht darum, die Welt schön zu rechnen. Es gibt sehr wohl eine ganze Reihe besorgniserregender Entwicklungen, Entwicklungen, die eine deutliche Verschlechterung bedeuten – Stichwort Klimawandel. Was wichtig für eine fundierte Analyse der globalen Situation ist, ist die Bereitschaft zu entwickeln, nicht jede Aussage ungefragt zu übernehmen, sondern darüber nachzudenken, woher Zahlen kommen, sich vor Verallgemeinerungen zu hüten und bei Prognosen vorsichtig zu sein, denn vergangene Entwicklungen müssen nicht notwendigerweise in derselben Weise auch in Zukunft weiter laufen.

Autor

Hans Rosling, Mediziner, der in verschiedenen Regionen der Welt als Arzt arbeitete, gründete im Jahr 2005 die Gapminder Stiftung. Sie setzt sich dafür ein, auf der Grundlage frei verfügbarer Daten Statistiken zu erstellen, die einen realitätsnahen Blick auf die Welt ermöglichen. Rosling, Gründungsmitglied der schwedischen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“, kam 1948 in Uppsala zur Welt und verstarb 2017 in seiner Geburtsstadt.

Factfulness

Nutzen für Führungskräfte

Hans Rosling liefert eine Reihe von Einsichten, die Menschen mit Personalverantwortung helfen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren und auch unter Druck Sinnvolles zu tun. Bei Erfolg fällt es leicht, sich als Helden zu sehen, bei Misserfolg wird schnell nach einem Schuldigen Ausschau gehalten – die eigene Person wird dabei natürlich ausgenommen. Der Autor rät seinen Lesern: „Fragen Sie sich, ob das Ergebnis auch zustande gekommen wäre, wenn dieser Einzelne nichts getan hätte.“
Ein weiterer Tipp ist, sich bewusst zu machen, dass wir – besonders wenn unter Zeitdruck – dazu neigen in Worst-Case-Szenarien zu denken. Das schränkt analytisches Denken ein und führt zu dummen Entscheidungen. „Ist die Lage wirklich so schlimm?“ oder „Gibt es wirklich keine andere Option?“ sind Fragen, die sich ein Mensch in solch einer Situation stellen sollte. Ganz besonders dann, wenn er Verantwortung für andere hat!

Autor: Hans Rosling

Thema: Selbstmanagement

ISBN: 978-355-008-1828