Bindung durch Gespür

Interview mit Hanno Otzen, Inhaber Autoschmiede Ringsberg

Welche Werte treiben dich an?

Noch bevor ich daran dachte, mich selbstständig zu machen, konnte ich bei einer Reise nach Sri Lanka wichtige Eindrücke gewinnen, die meine Werte bis heute prägen. Mir fiel vor allem auf, dass die Menschen, die nach unseren Maßstäben sehr wenig besaßen, einen fröhlichen, ja zufriedenen Eindruck machten. Und nicht nur Armut war ein Thema: In der Gegend, in der ich mich aufhielt, sind jeden Abend die jungen Männer in den Wald gegangen, um sich dort zu verstecken und nicht Opfer des herrschenden Bürgerkriegs zu werden. Das hat mir gezeigt, wie gut wir es haben. Mir ist klar geworden, dass auch mit wenig Besitz Zufriedenheit möglich ist. Das Getriebensein, das wir hier haben…

Wie überträgst du diese Erfahrungen auf deine Verantwortung als Geschäftsführer der Autoschmiede Ringsberg?

Ich bemühe mich darum, Win-win-Situationen zu schaffen. Das betrifft natürlich alle meine Lebensbereiche. Im Kontakt mit Kunden will ich immer wieder nach diesem Prinzip handeln. Das bedeutet, dass ich in bestimmten Fällen auf ein „schnelles Geschäft“ verzichte, weil mir die langfristige Kundenbeziehung, das Miteinander ganz allgemein wichtig ist. Aus meinen Erfahrungen weiß ich: Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber, Ehrlichkeit ganz allgemein den Mitmenschen gegenüber macht mich glücklicher als mehr Geld auf dem Konto. Um das an einem Beispiel festzumachen: Ein Kunde möchte vier neue Reifen haben. Ich sehe, dass zwei von diesen Reifen noch ausreichend Profil haben – übrigens auch eine Erfahrung, die ich auf Sri Lanka gemacht habe, dass dort nämlich Dinge sehr viel länger in Gebrauch sind als bei uns. Weil die Leute wenig haben, kaufen sie nicht gleich etwas Neues, sondern verbrauchen das, was sie besitzen. Das finde ich einen durchaus nachahmenswerten Ansatz, um nachhaltiger, ressourcenschonender zu wirtschaften. Zurück zu dem Kunden mit den Reifen. Ich werde ihn selbstverständlich darauf hinweisen, dass zwei Reifen okay sind. Natürlich bleibt es seine Entscheidung, ob er die an sich noch funktionsfähigen Reifen wechseln möchte. Auf jeden Fall wird er mit dem Bewusstsein vom Hof fahren, dass wir ihn nicht über den Tisch ziehen wollen. Mir geht das Geschäft ja auch nicht verloren, denn in einem halben Jahr kommt er wieder zu mir…

Du hast einen neuen Arbeitsplatz für die Wartung von Elektroautos eingerichtet. Du fährst selbst ein reines E-Mobil, Solarzellen sind auf dem Dach deiner Werkstatt und du planst eine neue Halle, die zumindest teilweise in ökologischer Bauweise entstehen soll. Das ist sicher kein Zufall, oder?

Nein, das ist kein Zufall. Mich bewegt in meinem Handeln der Gedanke, dass wir auf unserem Planeten nur endliche Ressourcen haben. Ich fühle mich an diese Tatsache gebunden und will deshalb die Verantwortung übernehmen, mich dort, wo ich arbeite, also im Kfz-Bereich, für Nachhaltigkeit einzusetzen. Aus diesem Grund finde ich E-Mobilität unbedingt unterstützenswert, überhaupt alternative Antriebsmethoden und Mobilitätsmodelle wie z.B. Carsharing. Die grundlegenden Veränderungen, die auf unsere Branche zukommen und die viele von uns ängstigen, sehe ich als sinnvolle Herausforderung, um neue und kreative Wege zu bahnen, auf denen unsere Gesellschaft zu einem nachhaltigen Miteinander gelangen kann, z.B. Oldtimer elektrifizieren, um individuell, ökologisch und nachhaltig zu arbeiten! Die Autoschmiede Ringsberg hat das Ziel, CO2-neutral zu sein. Der Weg dahin ist nicht einfach…

Wie vermittelst du diese Werte in deinem Betrieb bzw. deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Das geht in erster Linie über das eigene Beispiel. Wie gesagt, ich will dem Kunden gegenüber mit offenen Karten spielen. Das beobachten die MitarbeiterInnen, und ich denke, sie sind auch so ehrlich im Kundenkontakt. Nach dem Beispiel, das ich zu geben versuche, kommen die Worte. In der Kommunikation mit den MitarbeiterInnen bemühe ich mich genauso wie dem Kunden gegenüber um Offenheit. Wir sprechen in jeder Pause über das, was aktuell anliegt. Außerdem führe ich regelmäßig Gespräche mit jedem Einzelnen aus dem Team. Da habe ich durch Seminare des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein wichtige Anregungen erhalten. Dadurch bin ich dafür sensibilisiert worden, die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen MitarbeiterInnen wahrzunehmen. Gerade auch die Bedeutung der Regelmäßigkeit dieser MitarbeiterInnengespräche…

Was bedeutet Mitarbeiterbindung für dich?

Es bedeutet für mich vor allem, aufmerksam zu sein. Ich habe vor einiger Zeit gute Mitarbeiter verloren. Da hat es mit der Bindung offensichtlich nicht geklappt. In einem Fall ist deutlich geworden, dass derjenige, der gegangen ist, sich vernachlässigt fühlte. Ich war in der Zeit auch tatsächlich sehr eingespannt, u.a. mit einem Hausbauprojekt, und deshalb nicht so präsent, nicht so konzentriert in der Kommunikation mit ihm, wie ich es wohl hätte sein können. Eines ist mir dadurch wieder sehr bewusst geworden: Wenn ich nicht gut drauf bin, dann schlägt sich das sofort auf die allgemeine Stimmung im Betrieb nieder. Das ist meine Verantwortung, in diesem Punkt auf mich zu achten.
Außerdem spielt Vertrauen eine große Rolle. Die technisch immer komplexeren Fahrzeuge verlangen ein immer größeres Fachwissen. Von vielen Dingen, die meine MitarbeiterInnen bei Service und Reparatur beherrschen müssen, habe ich kaum noch Ahnung. Da muss ich ihnen also vertrauen, dass sie…

Welche Erfolge siehst du durch deine Vorgehensweise?

Ein Erfolg ist sicher, dass wir uns als Betrieb nicht nur hier halten, sondern auch kontinuierlich wachsen. Im Durchschnitt stelle ich alle zwei Jahre jemanden zusätzlich ein, um das Team zu verstärken. Weiter empfinde ich die sehr geringe Krankheitsquote bei den Mitarbeitern als Erfolg – für mich ein Zeichen, dass das Engagement stimmt. Und was die Kunden betrifft…

Sie möchten weiterlesen?

Bestellen Sie das Buch zum Preis von 39,80 Euro. Senden Sie uns einfach eine E-Mail: sekretariat@fuehrungsakademie-sylt.de.
Autor Hanno Otzen

Hanno Otzen

Hanno Otzen sammelte als junger Erwachsener wichtige Erfahrungen bei einer Asienreise. Ihn beeindruckte, dass die Menschen, auf die er traf, im Vergleich zu denen in Mitteleuropa eine deutlich höhere Zufriedenheit hatten, obwohl sie im Vergleich weniger besaßen. Seitdem bemüht er sich als Unternehmer und als Privatmann um ein nachhaltiges Wirtschaften, das den schonenden Umgang mit Ressourcen ins Zentrum stellt und einem fairen Miteinander verpflichtet ist.